Ein gut funktionierendes Messer ist fรผr Jรคger Pflicht. Sei es zum Aufbrechen bzw. Zerlegen oder fรผrโs Abfangen. Doch โwie viel Messerโ braucht der Jรคger wirklich?
Das Messer ist fรผr Jรคger ein wichtiges Werkzeug und wird im Revier stรคndig gebraucht. Als Waffe dient es heute nur noch selten, etwa beim Abfangen von angeschweiรtem Wild, wenn der Schusswaffengebrauch unmรถglich ist. Eingesetzt wird es รผberwiegend als Schneidwerkzeug fรผr verschiedene Arbeiten.
Der Messermarkt unterteilt sich in 2 groรe Bereiche: Messer mit feststehender Klinge und Klappmesser. Hier muss die 1. Entscheidung getroffen werden, oder aber es wird eine Kombination aus beiden gefรผhrt, was Vorteile haben kann, aber auch mehr kostet. Das Messer mit feststehender Klinge wird dann fรผrs Grobe genommen und das Klappmesser fรผr die feinen Schneidarbeiten, etwa beim Versorgen von Niederwild.
Jagdmesser mit feststehender Klinge sind wesentlich robuster und pflegeleichter als Klappmesser. Fรผr schwere Arbeiten sind sie die bessere Wahl. Zum Versorgen des erlegten Wildes ist eine heruntergezogene Klingenspitze, die sogenannte Drop-Point-Form vorteilhaft, denn sie vermindert die Gefahr, beim รffnen der Bauchdecke Pansen oder Darm zu verletzen. Eine langgezogene Spitze verbessert die Schneidleistung, denn die Lรคnge der Schneide wird vergrรถรert. Die Klinge sollte aus rosttrรคgem Stahl wie etwa 440 C, ATS 34, ATS 55 oder 154 CM sein, der sich mit normalen Mitteln nachschรคrfen lรคsst.
Um mit dem Daumen von oben beim Schneiden Druck auf den Klingenrรผcken ausรผben zu kรถnnen, darf der Handschutz nicht รผber den Klingenrรผcken hinausragen. Ein etwas nach unten gezogener Griff ist komfortabel, da damit beim Schneiden aus dem Handgelenk mehr Druck ausgeรผbt werden kann. Ein Jagdmesser mit etwa 8โ10 Zentimeter Klingenlรคnge in Drop-Point-Form und einem Griff, der dem Benutzer gut liegt, kommt dem optimalen Jagdmesser schon ziemlich nahe.
Die Klinge sollte nur so lang sein, dass die Spitze mit dem Zeige- oder Mittelfinger abgedeckt werden kann. Die Wahl des Griffmaterials ist weitgehend Geschmacksache, sollte aber auch unter praktischen Gesichtspunkten betrachtet werden. Hirschhorn ist zwar griffig, aber es springt leicht, mag keine groรen Temperaturschwankungen und ist empfindlich gegen starken Druck. Tropische Harthรถlzer, wie Amboina, Palisander oder Wรผsteneisenholz, sind schon wesentlich besser geeignet. Moderne Kunststoffe sind noch praktischer und wesentlich gรผnstiger.
Zu einem Jagdmesser mit feststehender Klinge gehรถrt auch eine gute Scheide. Sie muss die Klinge schรผtzen und das Messer
sicher halten. Sogenannte Kรถcherscheiden, die einen Teil des Griffes umschlieรen, sind besonders vorteilhaft.
Alles, was bisher zu Klingenform, Stahlsorten und Griffmaterialien gesagt wurde, trifft auch auf Klappmesser zu. Bei einem jagdlichen Modell sollte man sich auf eine gute, stabile Klinge und eine Sรคge beschrรคnken. Alles andere ist รผberflรผssig und wird nicht zwingend gebraucht. Eine scharfe Knochensรคge ist bei der roten Arbeit vorteilhaft, da sich damit das Schloss ohne Mรผhe und vor allem ohne รผbermรครige Beanspruchung der Messerklinge รถffnen lรคsst. Durch die kleine Sรคge wird auch der Nachteil der gegenรผber dem feststehenden Messer geringeren Stabilitรคt etwas ausgeglichen, denn fรผr das Durchtrennen der Schlossnaht, die eine Klinge stark beansprucht, wird ja die Sรคge eingesetzt. Wer ringelt, kann auch auf die Sรคge verzichten.
Nachteil eines Klappmessers ist der hรถhere Reinigungsaufwand. Hier muss der Jรคger schon mal ein Wattestรคbchen oder einen Pfeifenreiniger benutzen, um den Griffkรถrper grรผndlich zu sรคubern. Ein stabiles Klappmesser mit zusรคtzlicher Sรคge kann durchaus als Universalmesser dienen, wenn auf schwere Arbeiten mit seitlcher Klingenbelastung verzichtet wird.
Klappmesser: Teufel im Detail!
Beim Kauf eines Klappmessers sind aber einige Punkte mehr zu beachten, als bei Messern mit fest stehender Klinge, denn hier ist mehr Mechanik in Form des Verriegelungsmechanismus vorhanden. Die Klinge muss auf jeden Fall feststellbar sein. Messer mit einer nicht zu verriegelnden Klinge sind unbrauchbar und gefรคhrlich. Wenn auch die Sรคge arretiert werden kann, ist das von Vorteil, aber nicht unbedingt notwendig, denn beim Sรคgen wird ja immer Druck zum Griffkรถrper hin ausgeรผbt, und die Gefahr des unbeabsichtigten Einklappens besteht kaum. Verriegelt wird die Klinge รผber eine kleine Feder, die in die Klingenwurzel eingreift. Dabei gibt es 2 Systeme: Entweder liegt der Entriegelungshebel als Drucktaste oben auf dem Griffrรผcken als sogenanntes โBack-Lock-Systemโ oder unten direkt vor der Klinge. Dieses โLiner-Lockโ genannte System wird durch seitlichen Druck mit dem Daumen bedient. Das Liner- Lock-System ist etwas eleganter doch auf die Stabilitรคt hat das keinen Einfluss. Besonderes Augenmerk sollte auch den Federn eines Klappmessers gelten. Rostfreie Federstรคhle sind sprรถder und brechen schneller als Federn aus rostendem Stahl. Dafรผr sind diese pflegeintensiver. Gute Klappmesser sind mit Federn aus rostendem Stahl ausgestattet, die zum Korrosionsschutz vernickelt oder verchromt wurden. Bei der Sรคge ist unbedingt darauf zu achten, dass der Rรผcken dรผnner ist als die Schneide, sonst klemmt sich die Sรคge fest. Es gibt Modelle, die nur auf Zug und solche, die auf Druck und Zug arbeiten. Dicke Sรคgeblรคtter sind zwar รคuรerst stabil, dafรผr schneiden sie aber nicht so gut wie dรผnne Blรคtter. Die Sรคge sollte nicht so dick sein, dass sie schon als Raspel arbeitet, aber auch nicht so dรผnn, dass sie sich von Hand in alle Richtungen biegen lรคsst. Ein gutes Jagdmesser muss nicht unbedingt teuer sein. Messer mit feststehender Klinge und Kratongriff sind bereits fรผr unter 80 Euro zu haben. Als Gebrauchsmesser fรผr den Revieralltag ist so ein Messer die beste Wahl. Wer mehr Geld ausgeben will, bekommt dafรผr bei einem industriell hergestellten Messer nur eine hochwertige Aufmachung in Form von polierten Klingen, teurem Griffmaterial und einer aufwendigen Scheide. Klappmesser sind bei gleicher Qualitรคt deutlich teurer. Ein groรes, stabiles Klappmesser mit zusรคtzlicher Sรคge wird kaum unter 120 Euro zu haben sein. Neben den angesprochenen technischen Kriterien ist immer auch die persรถnliche Handlage eines Messers wichtig und sollte beim Kauf berรผcksichtigt werden. Mรถglichst nicht im Katalog bestellen, sondern im Geschรคft ausgiebig probieren, ob der Griff auch in die eigene Hand passt.