Rehwildjagd im Odenwald

Mir kommt es gar nicht so lange vor. Mittlerweile ist schon fast ein Jahr vergangen, seit ich das letzte Mal im Odenwald zur Jagd war.

Auf jeden Fall ist die Vorfreude riesig und ich kann es kaum erwarten viele bekannte Gesichter wieder zu sehen. Es sind richtige Freundschaften entstanden und ich freue mich auf viele schöne Stunden und tolle Gespräche.

Frühansitz im Odenwald. Blick von der Ansiteinrichtung.

Am Mittwochabend sind alle Sachen gepackt. Noch einmal schlafen und die Reise geht los. Besonders freue ich mich, da mich diesmal meine Frau Jule und unser Hund, ein Deutsch Kurzhaar, Tara begleiten. Die erste Reise mit Tara, wir sind gespannt wie es wird.

Auf der Autobahn kommen wir sehr gut durch und haben pünktlich um 12:00 Uhr unser Zimmer bezogen. Ich kann es kaum erwarten, viele nette Leute wieder zu sehen. Nach einer sehr herzlichen Begrüßung treffen wir uns zu einem gemeinsamen Mittagessen.

Ich plane jeweils einen Früh- und Abendansitz und möchte die restliche Zeit mit Jule und Tara verbringen.

Da wie immer am Samstag nach dem Abendansitz gemeinsam gegrillt wird, habe ich vor, auf den Ansitz in der Früh am Sonntag zu verzichten und etwas länger zu schlafen.

Es ist Samstagabend, das Wild aller Jäger ist versorgt und die Würstchen schmecken lecker. Ich merke, dass wir durchgehend auf Achse waren. Ich bin unendlich müde und freue mich auf mein Bett, da ich am nächsten Morgen länger schlafen kann.

Im Hotel angekommen gehe ich noch eine Runde mit Tara und lege mich anschließend in‘s Bett. Was ich nicht erwarten konnte ist, dass es die kürzeste Nacht der letzten Monate für uns werden sollte. Ab 01:30 Uhr hat Tara durchgehend Erbrechen und Durchfall. Nachdem wir abwechselnd mit ihr nach draußen gehen, entscheide ich mich gegen 03:00 Uhr einen Sparziergang mit ihr durch den Ort zu machen. Tara macht durchaus einen fitten Eindruck, dennoch geht es ihr nicht gut. Nachdem wir wieder im Hotel angekommen sind, schläft Tara sofort wieder ein. Und jetzt liege ich im Bett und bekomme kein Auge mehr zu.

Was soll‘s, jetzt bin ich wach und habe die Möglichkeit, also packe ich meine Sachen und fahre in‘s Revier. Es ist noch dunkel, es regnet und ich sehe kaum etwas. Aber so kann ich wenigstens die Ruhe im Wald genießen und den Regentropfen zuhören, die auf das Dach der Kanzel fallen. Es fühlt sich einfach gut an und es gehört zur Jagd dazu, die Natur so zu genießen und mit ihr verbunden zu sein.

Da ich den erst besten Platz im Revier genommen habe, rechne ich nicht mit Anblick. Ich lasse mich aber mal überraschen. Vielleicht sehe ich ja etwas, oder habe sogar Jagderfolg.

So langsam wird es hell, der Regen lässt aber nicht nach. Überall kommen durch den Regen Töne her und immer denke ich, dass ich gleich Anblick haben werde.

Zumindest rechne ich bei diesem Wetter nicht mit Spaziergängern, oder Joggern.

Nun ist es schon kurz nach 07:00 Uhr und die Müdigkeit kommt langsam. Zeitweise denke ich mehr an einen schönen warmen Kaffee, als an die Jagd. Ich nehme mir vor bis ca. 08:15 Uhr zu bleiben. Ich höre ein Geräusch, ganz anders als die anderen Töne der Regentropfen. Langsam drehe ich mich um und schaue direkt in die Lichter eines weiblichen Stückes Rehwild, welches ca. 7 Meter von mir entfernt steht. Da ich auf einer offenen Leiter sitze, kann ich mich kaum bewegen. Ich versuche aber das Stück anzusprechen. Ist es nun eine Ricke oder ein Schmalreh. Ein Blick weiter nach hinten, verrät mir, dass es eine Ricke ist, da ich ihr Kitz sehe.

Langsam werde ich nervös. Sollte ich an diesem Morgen doch noch Waidmannsheil haben? So schnell wie die Gedanken gekommen sind, so schnell sind sie und die Rehe wieder weg, da sie mich mitbekommen haben.

Schade, dass ich die Chance nicht nutzen konnte, aber so ist die Jagd und es bleibt ja noch eine kleine Hoffnung, dass beide wieder kommen. Die Hoffnung zerschlägt sich aber um 08:15 Uhr, da ich nun abbaumen möchte. Ich habe zwar keinen Jagderfolg gehabt, aber einen wunderschönen Morgenansitz genossen.

Auf dem Weg zurück in‘s Hotel, denke ich nochmal über die letzten Tage nach. Über verpasste Chancen auf der Jagd, tolle Gespräche mit anderen Leuten, neue Gesichter und so weiter.

Gedanklich bin ich immer noch bei meinem ersten Abendansitz. Die Zeit verging wie im Flug und ich kann es kaum glauben, schon wieder abreisen zu müssen.

Unsere kleine Jagdgruppe besteht aus drei Leuten, Marlies, Hagen und mir. Wir kennen uns schon seit der Jagd im letzten Jahr und können wieder in dem Revierteil jagen, in dem wir im letzten Jahr waren. So kennen wir uns schon ein wenig aus und benötigen nur eine Einweisung für die neuen Ansitzeinrichtungen. Schnell ist der Plan gemacht, wer wo sitzt.

Jule und Tara fahren wieder zum Hotel und gehen spazieren. Ich beziehe meine Ansitzeinrichtung. Es ist eine offene Leiter, die unterhalb eines Hangs steht. Ich hoffe auf reichlichen Anblick, da ausreichend Äsungsmöglichkeiten vorhanden sind.

Obwohl ich nicht im heimischen Revier bin, kommt mir alles bekannt vor. Ich fühle mich sehr wohl, genieße die Zeit und beobachte den Hang.

Letztes Jahr konnte ich an der gleichen Stelle einen Jährling erlegen und bin dementsprechend voller Hoffnung.

Lange Zeit ist es ruhig, immer wieder beobachte ich den Hang. Es ist absolut windstill und ruhig. Anwechselndes Wild würde diese Ruhe sofort beenden.

Wieder in meinen Gedanken versunken, ist diese Ruhe auf einen Schlag vorbei. Hinter mir ist Bewegung. Ganz langsam versuche ich meinen Blick in Richtung der Töne zu lenken.

Obwohl ich noch nichts gesehen habe, steigt mein Puls. So langsam werde ich nervös.

Vorsichtig nehme ich meine Waffe hoch und mache mich bereit.

Und endlich kann ich das Rehwild erkennen. Ein mehrjähriger Bock. Langsam zieht er an mir vorbei und beginnt zu Äsen.

Der Bock passt, aber noch steht er nicht breit. In so einer Situation werden Sekunden zu Stunden. Viele Dinge gehen in meinem Kopf vor. Tief in meine Gedanken versunken, merke ich kaum, dass der Bock nun breit steht. Ich entsichere die Waffe, hole tief Luft und erhöhe den Druck des Abzugs. Das Geschoss verlässt den Lauf. Der Bock zeichnet und flüchtet noch ca. 50 Meter.

Nun ist sie wieder da, die Ruhe. Ich hole kurz Luft, warte noch 20 Minuten und gehe zu meinem Bock.

In diesen Momenten werde ich nachdenklich, bin aber sehr froh, dass ich einen guten Schuss antragen konnte.

Nachdem ich mein Auto geholt habe, verlade ich den Bock und fahre zurück zum Forstgut, um den Bock zu versorgen.

Teils mit, teils ohne Strecke kommen nacheinander auch die anderen Jäger zurück.

Wir tauschen uns noch kurz aus, machen einen Plan für den nächsten Tag und lassen den Abend gemütlich ausklingen.

Noch einen kleinen Spaziergang mit dem Hund machen und ab ins Bett.

Früh am nächsten Morgen klingelt mein Wecker. Schnell ins Bad, anziehen, die Ausrüstung ins Auto und ab ins Revier.

Ich freue mich auf einen schönen Morgenansitz.

Ich sitze auf einer Kanzel, die in einer kleinen Lichtung steht. Kurz nachdem ich aufgebaumt habe, betritt auch Rehwild die Fläche, da es aber noch zu dunkel ist, kann ich nur den Anblick genießen. An einen Schuss ist nicht zu denken, da ich die Stücke nicht ansprechen kann.

Für diesen Morgen sollte es auch der letzte Anblick bleiben. Trotzdem genieße ich die Ruhe und die besondere Atmosphäre im Wald.

Den Vormittag wollen Jule und ich gemeinsam verbringen

Ohne Anblick auf dem Abendansitz gehabt zu haben, treffen wir uns alle zu einem gemeinsamen Abendessen im Hotel.

Ich finde es spannend den Jagdgeschichten der Anderen zuzuhören und neue Freundschaften zu schließen.

Es ist ein sehr kurzweiliger Abend und wir haben alle viel Spaß.

Am nächsten Morgen sitze ich auf einer Leiter inmitten des Reviers vor einer großen Wiese, die von vielen Einständen umgeben ist.

Ich habe große Hoffnungen, dass ich Anblick habe und genieße wie immer den Ansitz.

Die Zeit vergeht an diesem Morgen sehr schnell. Bis auf einen Fuchs, habe ich nichts gesehen. Und so versinke ich in meine Gedanken, bis mich ein Schuss wieder in die reale Welt zurückholt.

Marlies hat auf der Kanzel gesessen, auf der ich gestern in der Früh war, und konnte einen Jährling erlegen. Ein Waidmannsheil für Dich.

Ich entscheide mich, den Ansitz für diesen Morgen zu beenden und zurück zum Forstgut zu fahren.

Einige Stücke konnten an diesem Morgen erlegt werden. Ich helfe beim Versorgen der Stücke und fahre zurück ins Hotel.

Für den Abendansitz habe Ich habe mir einen Sitz ausgesucht, auf dem während der letzten Tage niemand von den anderen Teilnehmern gesessen hat. Er steht auf einer langgezogenen Lichtung im Wald. Leider spielt heute Abend das Wetter nicht mit, da es sehr regnerisch und ungemütlich ist.

So vergehen die Stunden ohne Anblick und kurz bevor ich abbaumen möchte, kann ich die Umrisse von Rehwild in der Dunkelheit erkennen.

Um das Rehwild nicht zu stören, packe ich leise meine Sachen und beende den Ansitz mit einem Lächeln.

Die Bratwurst wird sicher gut schmecken….

Waidmannsheil und bis zum nächsten Jahr

Torben

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