Rotlicht im Revier

Fรผr das Wild unsichtbar den Pirschweg ausleuchten. Nachsuchen ohne Hund. Riesige Leuchtweiten und dimmbare Dioden. Hightech-Taschenlampen mit unterschiedlichen
Lichtfarben sollen alles Mรถgliche kรถnnen. Was bringt davon den Jรคger weiter?

Rotlicht
Foto: Armin Liese
Armin Liese

Der Schuss fรคllt gerade im letzten Bรผchsenlicht. Lisa hat einen Frischling aus einer Rotte auf der Kirrung beschossen. Sitzen bleiben und warten, das hat ihr der Jagdherr beigebracht. Lieber etwas lรคnger, sonst kรถnnte sie vielleicht ein krankes Stรผck in der Nรคhe des Anschusses aufmรผden.
Endlich ist es soweit: der erste Praxistest. Vor wenigen Tagen hat sich Lisa ein Spitzenmodell unter den bunten Taschenleuchten gegรถnnt. Ein Meisterwerk aus dunklem Aluminium. Das Licht ist grellund hellrot. Im Nu wird der Anschuss zum Rotlichtviertel des Reviers verwandelt. Aber sie hat den Eindruck, dass dieses Rotlicht nicht hilft, um SchweiรŸ zu finden. Zum Glรผck bringt der zwischenzeitlich angerufene Jagdpรคchter eine alte Taschenlampe mit. Die liegt schon seit Jahren immer im Auto. Irgendwie sieht in diesem Licht die Umgebung ganz anders aus. Nur nach zwei Minuten ist auch die letzte Energie aus den Batterien verbraucht, und beide stehen im Dunkeln. Im Internet-Forum informiert sich Lisa. Vielen anderen geht es genauso. Buntes Licht, Hochleistungs-LEDโ€™s und Lichtfilter bietet der groรŸe Marktplatz im Web an. Aber was bringen diese Erfindungen wirklich? Helfen sie uns Jรคgern?

Pirschfunzel am Morgen
Auf der Jagd brauchen wir manchmal unauffรคlliges Licht, beispielsweise wenn wir morgens den Pirschweg zum Hochsitz mรถglichst lautlos langschleichen wollen. Das Wild soll uns nicht bemerken, daher wollen wir es nicht durch Tritte auf trockenes Laub oder Astwerk vorwarnen. WeiรŸes Licht ist dafรผr sehr grell und auffรคllig und somit ungeeignet. Hinzu kommt, dass Wild auf rotes oder grรผnes Licht weniger empfindlich reagieren soll.
Durch aufgeschraubte Lichtfilter kann das bei WeiรŸlicht erreicht werden. Fรผr den Pirschgang im Dunkeln gibt es Modelle mit Dimmer. Sie reduzieren die Leuchtkraft auf
unter fรผnf Prozent. Moderne LEDโ€™s erzeugen bereits farbiges Licht. Ein Filter, der viel Licht
schluckt, ist รผberflรผssig. Bei Spitzenmodellen mit dreifarbigen LEDโ€™s ist die Reichweite enorm. Dieses helle Licht brauchen wir aber nur, um in der Ferne ein Ziel zu beleuchten. Bei Wildbegegnungen haben sich bis jetzt rotes und gruฬˆnes Licht bewรคhrt. Dabei soll grรผnes Licht die grรถรŸte Helligkeit und Kontrastschรคrfe haben. Rotes Licht eignet sich
besonders bei Nebel und soll die Nachtsichtfรคhigkeit des menschlichen Auges weniger stรถren. Suchscheinwerfer am Abend Soll der Anschuss, wie in Lisas Fall, gesucht werden, muss die Taschenlampe mรถglichst hell leuchten. Rot-brauner SchweiรŸ muss erkennbar werden. Strahlt die Lampe nicht in der notwendigen Wellenlรคnge, so erscheint der SchweiรŸ schwarz. Blaues Licht galt lange als Wunderwaffe fรผr die Nachsuche. Sogar in der Kriminaltechnik wird es eingesetzt, werben die Anbieter. In der Praxis bringt Blaulicht
SchweiรŸ aber leider nicht zum leuchten.
Lediglich Wassertropfen erscheinen etwas dunkler. ร„hnlich verhรคlt es sich mit Rotund
Grรผnlicht. Buntes Licht hat am Anschuss keinen Vorteil. Mรถglichst helles weiรŸes Licht,
am besten aus einem Halogenstrahler, ist fรผr die Anschusskontrolle perfekt. Nachteil ist aber der hohe Energieverbrauch. Eine weiรŸe LED-Lampe ist der beste Kompromiss aus Leuchtdauer und Leuchtweite. Kompakte Modelle mit einer Leuchtkraft jenseits der
200 Lumen gibt es im Fachhandel ab etwa 140 Euro.

Grรผnes Licht aus der LED-Lampe.
Durch die Dimmfunktion gut fรผr den Weg zur Kanzel geeignet. Foto: Armin Liese
Wenn man in der Jagdpraxis was brauchbares am Anschuss haben mรถchte, dann sollte man auf die altbewรคhrte โ€žSchweiรŸlampeโ€œ mit vier Pfoten zurรผckgreifen. Sie macht mehr Arbeit, ist aber die einzige, die auch ohne Erleuchtung funktioniert.

Licht ist bunt

Licht setzt sich aus vielen Farben zusammen. Diese kann man mit einem Prisma sichtbar machen. Nur wenn alle Farben im ausgestrahlten Licht vorhanden sind, kann das menschliche Auge diese auch erkennen.
WeiรŸlicht: Im Gegensatz zu Energiesparleuchten bietet die gute alte Glรผhbirne das komplette Spektrum. Daher wirkt das Licht auch wรคrmer, und die Farben sind fรผr unser Auge intensiver.
Rotlicht: Da rote LEDโ€™s kein kontinuierliches Spektrum haben, sind sie fรผr die Suche nach SchweiรŸ nicht optimal. Fรผr die Suche ist notwendig ein mรถglichst groรŸes Rotspektrum ist.
Blaulicht: Blaues Licht ist nicht gleichzusetzen mit UV-Licht, wie es in der Kriminaltechnik verwendet wird. Die Wellen des blauen Lichtes sind lรคnger und bringen SchweiรŸ leider nicht zum Leuchten.

Lichtspektrum einer Energiesparlampe (oben) und einer herkรถmmlichen Glรผhbirne. Fehlende Farben verfรคlschen unsere Wahrnehmung. Fotos: Andreas Rumpf

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