30. September 2020

Wo liegt mein erster Keiler?

Es war Anfang September und die Sauen tummelten sich im Mais. Fast bei jedem Ansitz konnte ich die Schwarzkittel hören, bekam sie aber kaum zusehen.

Anschusskontrolle und Einweisung des Nachsuchenführers
Der Schaden im Mais nahm täglich zu und wir versuchten die Sauen zu bejagen. Die Strecke war jedoch sehr überschaubar, da die meisten Maisschläge direkt am Wald liegen und ein richtiges Ansprechen schwierig war, da man die Schwarzkittel nur kurze Zeit sieht.

Aufgrund der Fährten haben wir in einem Maisschlag einen Keiler ausgemacht, auf den ich fast täglich angesessen habe.

Eines Morgens, der Mond erleuchtete den Mais und eine angrenzende Wiese, hatte ich den besagten Keiler ca. 80 Meter vor mir auf der Wiese, nachdem er den Maisschlag verlassen hatte.

Ich konnte ihn als Keiler ansprechen und machte mich für den Schuss fertig.

Es waren perfekte Verhältnisse, der Kugelfang war gegeben, es war ausreichend Licht vorhanden und meine Waffe kurz vorher eingeschossen. Nach dem Schuss verschwand der Keiler im Wald und alles war wieder still. Ich suchte mit meiner Wärmebildkamera die Umgebung ab, fand aber nichts. Jedem, dem sowas schon passiert ist, weiß, dass jetzt unendlich lange Minuten beginnen. Nachdem ich eine halbe Stunde gewartet hatte, ging ich zum Anschuss, konnte aber nichts finden – ein Fehlschuss?

Ein kurzer Blick mit der Wärmebildkamera in den Wald, machte mir auch keine Hoffnung. Sollte ich diese perfekte Situation vermasselt haben?

Es hilft alles nichts, ein Nachsuchenführer musste kommen um den Keiler zu finden, oder einen Fehlschuss zu bestätigten. Bei der anschließenden Kontrollsuche haben wir nichts gefunden. Ein weiterer Kontrollschuss mit meiner Waffe bestätigte meine Vermutung > Da muss ich ehrlich sein, es war einfach ein schlechter Schuss von mir, da das Trefferbild meiner Waffe keine Abweichung zeigte.

Fehlschuss
Das ist für mich einer der wichtigsten Punkte: Seid ehrlich, wenn der Schuss nicht gut war, oder ihr keine Pirschzeichen am Anschuss findet.

Es wird Euch niemand den Kopf abreißen, wenn ihr einen Fehlschuss, oder einen schlechten Schuss zugebt. Wir sind es dem Wild schuldig, eine Nach- oder eine Kontrollsuche zu organisieren, um der Kreatur Leid zu vermeiden. Ich möchte Euch mit diesem Blog das richtige Verhalten am Anschuss näherbringen und meine Erfahrungen mit Euch teilen. Zuerst möchte ich aber auf das Verhalten vor dem Schuss eingehen. Einige Fehlerquellen könnt ihr damit schon ausschließen.
Um das Wild ansprechen und einen sauberen Schuss antragen zu können, ist es wichtig, dass ihr ausreichendes Licht habt. Wenn ihr das Stück nicht exakt ansprechen und nicht genau erkennen könnt, ob es breit steht oder nicht, ist ein Schuss auf jeden Fall zu unterlassen.

Einfach bei der Schwarzwildjagd auf einen “schwarzen Klumpen“ zu schießen, hat mit waidgerechter Jagd nicht viel zu tun. Wenn ihr eine neue Charge Munition gekauft habt, solltet ihr auf jeden Fall einen Probeschuss machen, damit ihr Abweichungen bei dem Treffersitz ausschließen könnt. Falls ihr eine Waffe mit einem Stecher habt, solltet ihr überprüfen, ob der Stecher zu fein eingestellt ist, damit sich ein Schuss nicht bei der kleinsten Berührung des Abzuges löst. Ganz wichtig ist auch die Gewehrauflage bei der Schussabgabe. Wenn ihr eine Ansitzeinrichtung bezieht, sollte ihr auf jeden Fall einen Probeanschlag machen, damit ihr sicher seid und keine Zeit verliert, wenn ihr Wild vorhabt. Besonders wenn ich nachts auf Schwarzwild jage, überprüfe ich vorher bei Tageslicht das Schussfeld auf Äste, die die Flugbahn des Geschosses beeinflussen können. Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn ihr den Finger bei unklaren Situationen gerade lasst. Wenn ihr Euch bei der Schussabgabe unter Druck setzt, ist die Wahrscheinlichkeit eines Fehlschusses hoch.

In wenigen Wochen geht es wieder mit den Bewegungsjagden los. Es lohnt sich sehr, wenn ihr Euch für die anstehenden Jagden vorbereitet. So könnt ihr schlechte Schüsse und dem Wild Schmerz und Leid ersparen und wer gut Strecke macht, dem ist die nächste Jagdeinladung so gut wie sicher.
Gerne könnte ihr Euch meinem Blog zu diesem Thema durchlesen.
Wir legen mit unserem Verhalten, während und auch nach dem Schuss, bereits den Grundstein für eine erfolgreiche Nachsuche. Bereits die Beobachtungen während der Schussabgabe, sind für den Nachsuchenführer von großer Bedeutung, damit er sich ein Bild über die Lage machen kann. Wie hat sich das Wild während der Schussabgabe verhalten? Stand es ruhig äsend auf der Wiese, oder war es flüchtig unterwegs und wie hat das Stück Wild bei der Schussabgabe reagiert? Das Zeichnen des Wildes im Schuss kann uns bereits wichtige Informationen über die Trefferlage geben.
Fehlschuss
Bricht das Wild nach dem Schuss schlagartig zusammen, kann es sich durchaus um einen Krellschuss handeln. Bei einem Krellschuss wird ein Dornfortsatz der Wirbelsäule getroffen. Das Wild bricht dabei zusammen und kann schlegeln, kommt aber relativ schnell wieder hoch und flüchtet. Deshalb solltet ihr bei solchen Situationen weiterhin mit der Waffe im Anschlag bleiben um ggf. einen zweiten Schuss anzubringen. Bei einem Krellschuss kann Schweiß mit Knochenstücken zu finden sein.
Bei Vorder- bzw. Hinterlaufschüssen flüchtet das Wild direkt nach dem Schuss und knickt in die Richtung ein, in der der Lauf weggeschossen wurde. Mit einer solchen Verletzung, kann das Wild noch relativ große Fluchten antreten. Je nach der Schwere der Verletzung kann das Stück, mit Einschränkungen überleben. Man findet Schweiß und Stücke von Röhren- und Gelenkknochen.
Bei Tief- bzw. Hochblattschüssen kann es auch zu einer schnellen Flucht kommen, die durchaus 100 – 200 Meter andauern kann. Meist verenden die Stücke jedoch relativ schnell. Der Lungenschweiß ist schaumig und hellrot.
Bei Äser- oder Trägerschüssen gestaltet sich eine Nachsuche sehr schwer, da das Wild nicht an der Bewegung gehindert ist und dementsprechend über weite Entfernungen flüchten kann. Solche Schüsse haben nichts mit Waidgerechtigkeit zu tun und das Wild kann qualvoll eingehen.

All diese Informationen sind wichtig für den Nachsuchenführer.

Ich persönlich habe, auch wenn ich manchmal dafür belächelt werde, immer einen kleinen Schreibblock dabei, um mir so viele Informationen, wie möglich zu notieren. So könnt ihr Euch z.B. eine kleine Zeichnung anfertigen um den Anschuss – den Ort des Wildes bei der Schussabgabe – zu notieren.

In welche Richtung ist das Stück geflüchtet und habt ihr anschließend Geräusche gehört?

Wenn ihr all diese Informationen gesammelt habt, ist der Grundstein für eine erfolgreiche Suche gelegt.

Sofern es die Lichtverhältnisse zulassen, könnt ihr nach einer angemessenen Wartezeit den Anschuss auf Pirschzeichen überprüfen.

Aber auch dabei gilt der Grundsatz, erstmal Ruhe zu bewahren und ggf. auf die Hilfe eines Nachsuchenführers zu warten. Ich persönlich suche einen kleinen Radius des Anschusses auf Pirschzeichen ab. Wenn ich dabei nichts finde, ist der Einsatz eines Hundes unbedingt notwendig.
Je mehr ihr Euch, im schlimmsten Fall mit mehreren Personen, im Bereich des Anschusses aufhaltet, desto eher könnt ihr hilfreiche Pirschzeichen zerstören, das kranke Wild hoch machen, oder auch Verleitfährten legen.

Lungenschuss
Treffer Waidwund
Kammerschuss
Welche Pirschzeichen können wir finden:

  • Schweiß
  • Haare
  • Eingriffe der Schalen des Wildes
  • Knochensplitter
  • Panseninhalt
  • Teile des Äsers
  • Wildbretstücke
  • Beschädigungen an Bäumen
  • Kugelriss im Boden

Wenn ihr Pirschzeichen entdeckt, solltet ihr den Ort, an dem ihr sie gefunden habt, markieren. Ihr könnt dazu Farbband, Äste, Taschentücher usw. verwenden.

Ja nachdem welche Pirschzeichen ihr nun findet, solltet ihr Eure weitere Vorgehensweise festlegen.

Bei schaumigem Lungenschweiß würde ich dem Schweiß schon ein gutes Stück nachgehen, da die Chance das Stück nach kurzer Flucht zu finden, relativ groß ist.

Bei einem Laufschuss und einem Stück des Röhrenknochens, würde ich auf jeden Fall einen Nachsuchenführer anrufen und auf dessen Hilfe vertrauen.

Es ist wichtig, dass ihr die Möglichkeit habt, einen Nachsuchenführer zeitnah zu kontaktieren. Je nachdem, wo ihr eine Jagdmöglichkeit habt, solltet ihr Euch vorab mit dem Thema auseinandersetzen und die Ansprechpartner vor Ort kennen.

Habt nur keine Angst eine Nachsuche zu organisieren und seid ehrlich – das sind wir dem Wild schuldig.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Gerne könnt ihr mir eure Geschichten über Nachsuchen zusenden.

Bereits jetzt wünsche ich euch viel Gesundheit und für die hoffentlich, stattfinden Gesellschaftsjagden viel Anblick und Waidmannsheil

Bilder und Text: Torben Petry

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